· 

Es juckt mich nicht - oder doch manchmal?

Jucken ist ein fieses Gefühl – und es verleitet sofort zur Gegenmaßnahme: kratzen. Woher kommt das Jucken? Und hilft kratzen wirklich?

Es juckt. Wenn es gut läuft am Knie, am Bauch oder am Hals – irgendwo dort, wo man selbst gut hinkommt und kratzen kann. Läuft es mies, juckt es irgendwo da zwischen den Schulterblättern, wo man sich selbst nur mit größeren Verrenkungen helfen kann. Und dann ist die Erleichterung nur halb so schön. Schöner wird es dann erst wieder, wenn man jemand anderen um Hilfe bitten und ihn genau zur betroffenen Stelle dirigieren kann.

Dabei ist diese Erleichterung, die das Kratzen verschafft, eigentlich kontraproduktiv. Es bringt nachhaltig nicht wirklich Linderung – was jeder weiß, der schon mal kräftig an einem Mückenstich herumgeschubbert hat. Im ersten Moment fühlt es sich so schön an, dass man am liebsten nichts anderes mehr tun möchte. Irgendwann aber wird es unangenehm. Es kann sogar weh tun. Und hört man dann auf, fängt es schlimmer an zu jucken als jemals zuvor.

Darum kratzen wir uns

Jucken ist ein Signal des Körpers, dass irgendetwas nicht stimmt. Dieses „Irgendetwas“ kann Konkretes sein wie etwa Insektenstiche, kleine Verletzungen, Allergien, Infektionen, Flöhe oder Läuse. Es kann aber auch zum Beispiel durch Hormonschwankungen ausgelöst werden, durch schlechte Ernährung und damit einhergehenden Nährstoffmangel oder durch Leber- oder Nierenerkrankungen. Was auch immer der Grund ist, die Reaktion des Körpers ist immer gleich: Nervenenden, die direkt unter der Hautoberfläche liegen, werden durch einen Auslöser gereizt und schicken Signale zum Rückenmark, von wo aus sie zum Gehirn weitergeleitet werden. Das Gehirn gibt dann den Befehl „Gegenmaßnahme ergreifen“ und wir spüren den Drang, uns zu kratzen.

Die Sensoren und Nervenbahnen, die für das Jucken zuständig sind, sind übrigens eng mit denen für Schmerz verbunden – dennoch sind sie autonom. Der Grund für die enge Verbindung ist der: Juckt es, kratzen wir. Kratzen erzeugt (zunächst einen leichten) Schmerz – und wo es wehtut, kann es nicht gleichzeitig jucken. Das Ganze ist aber noch interessanter: Denn der Schmerz wird als Erfolg bewertet, weil er ja das Juckgefühl verdrängt hat – wodurch das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird. Also genau die Stelle, die auch aktiv ist, wenn wir gelobt werden, wenn wir stolz auf uns sind, wenn man Schokolade isst oder irgendeine Sucht befriedigt. Das Gehirn schüttet dann jede Menge Botenstoffe aus, die uns ein leichtes Glücksgefühl vermitteln.

Das hilft, wenn es juckt

Das geht übrigens nicht nur uns Menschen so. Auch Tiere spüren Juckreiz und gehen dagegen vor. Hunde zum Beispiel knabbern an den Stellen herum, an denen sie von Flöhen gebissen wurden. Und selbst Fische haben manchmal juckende Haut, die sie zu beruhigen versuchen, indem sie sich am Sand oder an Steinen kratzen.

Wer wirklich etwas gegen den Juckreiz tun möchte, sollte aufs Kratzen aber lieber verzichten. Denn das kann zu kleinen Wunden führen, durch die Dreck in die betroffene Stelle gelangt, was sich entzünden kann – und dann wird alles noch schlimmer. Besser sind Hilfsmaßnahmen wie Umschläge mit Joghurt oder etwas Essig. Auch gute Hautpflege kann Jucken verhindern, denn trockene Haut neigt eher dazu. Manchmal juckt die Haut auch aus Stressgründen. Dann können Entspannungsübungen wie Yoga, Autogenes Training oder Meditation helfen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0